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"Schweizerin zu sein hilft mir bei der Arbeit"

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"Schweizerin zu sein hilft mir bei der Arbeit"

Anne-Marie Deutschlander ist seit letzem Herbst die Vertreterin von UNHCR in Moldau. Ihre lange Karriere führte sie nach Afrika und in den Nahen Osten, doch sie bewahrte stets eine Verbindung zur Schweiz.
11. März 2025 Auch verfügbar auf:
Cahul, Republic of Moldova –  November 26, 2024, UNHCR Representative Anne-Marie Deutschlander joined a local football coach to inaugurate a newly renovated sports field, creating opportunities for community building and promoting sports as a tool for inclusion. © UNHCR Moldova

Auf diesem Foto, das im November 2024 aufgenommen wurde, unterhält sich Anne-Marie Deutschlander mit einem lokalen Fussballtrainer bei der Einweihung eines neu renovierten Sportplatzes in der Stadt Cahul. Ziel dieses Projekts ist es, den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu stärken und den Sport als Instrument der Inklusion zu fördern.

Name: Anne-Marie Deutschlander

Dienstort: Chisinau, Moldau

Poste: Vertreterin

Bei UNHCR seit: 1996

 

Sie haben im Herbst 2024 Ihr Amt als Vertreterin von UNHCR in Moldau angetreten. Wie läuft es Ihnen bisher? 

Alles läuft sehr gut, aber wir haben viel Arbeit zu erledigen. Es ist ein kleines Land, in dem viel auf dem Spiel steht. Der Einsatz begann mit der Unterstützung von Flüchtlingen, die in grosser Zahl aus der Ukraine flohen, als im Februar 2022 der Konflikt mit Russland begann. Wir hatten damals kein Büro in Moldau und mussten alles sehr schnell aufbauen.

Nun befinden wir uns nicht mehr in einer Notsituation, sondern vielmehr in einer Übergangsphase. Unser Ziel ist es nun, die Eingliederung der ukrainischen Flüchtlinge in die nationalen Sozialsysteme zu fördern und die Kapazitäten der lokalen Behörden zu stärken, damit wir ihnen schrittweise die Verantwortung für die Verwaltung der Flüchtlinge übertragen können. Es ist keine leichte Arbeit, aber ich muss sagen, dass sie mir gefällt. Jeder Tag ist anders, obwohl wir uns in einem kleinen Land befinden. Und ich habe ein sehr gutes Team, sehr fähige Leute. Das hilft auch. 

Sie kamen während des Jugoslawienkrieges Ende der 1990er Jahre zu UNHCR. Ihre derzeitige Arbeit ist eng mit einem anderen Konflikt verbunden, der fast 30 Jahre auseinander liegt. Wie erleben Sie das? 

Ich merke, dass ich jetzt viel erfahrener bin als zu Beginn. Ursprünglich war es meine Aufgabe, die Treffen mit den Behörden vorzubereiten, und jetzt führe ich diese Treffen selbst durch. Viele Probleme sind immer noch dieselben. Am meisten hat sich die zur Verfügung stehende Technologie verändert. Als ich anfing, hatten wir gerade erst begonnen, E-Mails zu verwenden.

Trotz dieser Entwicklung versuche ich immer noch, direkten Kontakt mit den Flüchtlingen und anderen Menschen, um die wir uns kümmern, zu halten. Das ist etwas, das ich auch heute noch in meiner Arbeit zu bewahren versuche. Ich möchte mindestens einmal pro Woche vor Ort sein, um die Menschen zu sehen, mit denen wir arbeiten und die wir unterstützen, sowie andere regionale oder lokale Behörden, die an unseren Programmen beteiligt sind. 

Der Krieg in der Ukraine ist inzwischen von den Titelseiten verschwunden, und die Medien berichten kaum noch über die Situation in Moldau . Wie hilft UNHCR vor Ort? 

Eine unserer Prioritäten ist es, eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten, damit sie die Dienstleistungen, die wir für Flüchtlinge in den Bereichen Sozialschutz, Bildung, Gesundheit oder Eingliederung in den Arbeitsmarkt erbringen, übernehmen können. In der Tat ist dies keine vorübergehende Situation mehr, da diese Menschen bereits seit drei Jahren hier sind. Aber es ist auch kein einfaches Thema, denn wir haben viele Menschen, die sehr verletzlich sind und sich sehr auf unsere Unterstützung verlassen, um von Tag zu Tag zu überleben. Die meisten Menschen, die hierher geflüchtet sind, sind alleinstehende Frauen mit Kindern sowie ältere Menschen, da die meisten Männer in der Ukraine geblieben sind. 

Ein weiterer Teil unserer Arbeit befasst sich mit der Frage des sozialen Zusammenhalts. Wir haben hier in Moldau das Glück, dass die Bevölkerung äusserst gastfreundlich war und weiterhin ist. Wir tun alles, um diese Solidarität zu unterstützen. Das bedeutet, dass wir bei all unseren Programmen zu den am stärksten gefährdeten Flüchtlingen, aber auch zur lokalen Bevölkerung gehen. 

Die Schweiz unterhält enge Beziehungen zu Moldau. Hilft Ihnen die Tatsache, dass Sie Schweizerin sind, bei Ihrer Arbeit? 

Auf jeden Fall. Die Schweiz hat ein Büro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit in Moldau. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort leisten insbesondere technische Unterstützung. Bei meiner Ankunft machte ich einige Höflichkeitsbesuche und als ich den Leiter des Büros traf, war die erste Frage: „In welcher Sprache sollen wir sprechen?!“.

Das ist ein klassischer Fall, wenn wir andere Schweizer und Schweizerinnen treffen, wir schauen uns unsere Nachnamen an und fragen uns dann, ob wir Deutsch, Französisch oder eine andere Sprache sprechen sollen. Das ist immer lustig. Und dann ist es klar, dass man unter Landsleuten sofort eine Verbindung spürt, ja sogar eine Leichtigkeit der Konversation und des Verständnisses. 

"Ich versuche immer, einen direkten Kontakt mit den Flüchtlingen und anderen Menschen, um die wir uns kümmern, zu pflegen."

Anne-Marie Deutschlander

Sie haben eine lange Karriere mit verschiedenen Positionen innerhalb des UNHCR hinter sich, wobei Sie immer wieder nach Genf zurückkehrten. Was verbindet Sie mit der Schweiz? 

Ich hatte in meinen verschiedenen Posten immer Kontakt mit Schweizerinnen und Schweizern, insbesondere durch meine Kontakte mit der Schweizer Botschaft im jeweiligen Land, in dem ich stationiert war. In Jordanien hat diese Zusammenarbeit gut funktioniert. Auf diesem Weg hatte ich viele Schweizer Praktikant*innen und stehe immer noch mit einigen von ihnen in Kontakt, vor allem, weil die meisten von ihnen schliesslich im humanitären Bereich arbeiteten. Es ist schön, auf diese Weise eine Verbindung zur Schweiz aufrechtzuerhalten. Ansonsten gibt es je nach Einsatzort und vor allem, wenn es eine Botschaft gibt, immer wieder Abende oder Treffen unter Schweizer*innen, die organisiert werden. Aber ich habe auch mein Haus und meine Familie in Genf - ich habe also auch in meinem Privatleben eine enge Verbindung zur Schweiz!

Und wenn ich andere Schweizer treffe, sprechen wir sofort über das, was uns verbindet und was uns ähnlich ist: Woher kommst du? Was machst du? Was hast du studiert? Wie kam es, dass du im humanitären Bereich angefangen hast? Es sind immer die gleichen Fragen. Wir sprechen eher über unsere Arbeit. Zu den klassischen Dingen, über die wir diskutieren, gehört natürlich das Essen. Alles sehr typisch (lacht). Schokolade, Fondue usw. Wir versuchen immer, gemeinsam ein Fondue zu essen. Manchmal ist es sehr exotisch. Wir haben zum Beispiel eines in Senegal gemacht, obwohl es für ein Fondue nach unseren klassischen Standards etwas zu heiss war! 

Welche Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach für die Arbeit bei UNHCR am wichtigsten? 

Mir kommen viele in den Sinn. Ich denke, man muss hartnäckig sein und sich anpassen können, auch wenn man manchmal auf einen gewissen Komfort verzichten muss, wie z. B. den ganzen Tag Strom zu haben. Ausserdem muss man je nach Situation auf das Mandat und die Ziele des UNHCR fokussiert bleiben. Gut organisiert zu sein ist also wichtig.

Schliesslich sage ich mir immer, dass es für mich eine Arbeit ist, während die Menschen, mit denen und für die wir arbeiten, es sich nicht ausgesucht haben, in dieser Situation zu sein. Man muss ein gewisses Verständnis haben und auch offen sein. Zuhören zu können ist ebenfalls wichtig. Man sollte nicht zu schnell urteilen. Wir arbeiten mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, mit unterschiedlichen Gewohnheiten und Kulturen zusammen. Dies sollte als Bereicherung gesehen werden. 

Wenn ich andere Schweizer treffe, sprechen wir sofort über das, was uns verbindet und uns ähnlich ist: Woher kommst du? Was machst du? Was hast du studiert?

Anne-Marie Deutschlander

Was waren in all den Jahren die besten Erfahrungen, die Sie bei der Arbeit für UNHCR gemacht haben? 

Ich hatte das Glück, Orte zu besuchen, an die ich nie gekommen wäre, wenn ich nicht für diese Organisation gearbeitet hätte. Ich war UNHCR-Vertreterin in Mauretanien, einem Land, über das ich ehrlich gesagt nichts wusste. Das war eine aussergewöhnliche Erfahrung. Es war etwas ganz anderes als alles, was ich bisher im Nahen Osten und in Afrika erlebt hatte. Die Entfernungen waren so gross, ich weiss noch, dass wir vier Tage mit dem Auto brauchten, um das Land von einem Ende zum anderen zu durchqueren. Diese Mission ist mir in Erinnerung geblieben. 

Welche Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach für die Arbeit bei UNHCR am wichtigsten? 

Da kommen mir viele in den Sinn. Ich denke, man muss hartnäckig sein und sich anpassen könne, auch wenn man mal auf einen gewissen Komfort verzichten muss, wie z.B. den ganzen Tag Strom zu haben. Ausserdem muss man je nach Situation auf das Mandat und die Ziele von UNHCR fokussiert bleiben. Gut organisiert zu sein ist also wichtig.

Schliesslich sage ich mir immer, dass es für mich eine Arbeit ist, während die Menschen, mit denen und für die wir arbeiten, es sich nicht ausgesucht haben in dieser Situation zu sein. Man muss ein gewisses Verständnis haben und auch offen sein. Auch Zuhören zu können ist wichtig. Man sollte nicht zu schnell urteilen. Wir arbeiten mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, mit unterschiedlichen Gewohnheiten und Kulturen zusammen. Dies sollte als Bereicherung angesehen werden.